Assistierter Suizid – Sterbehilfe (Spitalseelsorge)

Wie möchte ich sterben? Diese Frage stellt sich wohl jeder Mensch einmal. Die heutige Gesellschaft suggeriert, dass auch da alles machbar ist: Der Zeitpunkt ist wählbar, die Art kann ich aussuchen. Als Spitalseelsorgerinnen und Spitalseelsorger sind wir oft präsent in den letzten Lebensstunden eines Menschen. Die Schilderung von Bernhard Sutter im "Tages-Anzeiger" (Zürich) vom 17. Februar 2010, wonach ein Mensch mit Lungenkrebs elendiglich erstickt, können wir nicht teilen.

Die heutige Medizin hat die Möglichkeit, einem Patienten einen würdigen Tod zu ermöglichen, indem mit gezieltem Einsatz von Medikamenten  Leiden gelindert wird. Das Pflegepersonal zu Hause oder im Spital ist ausgebildet, schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen zu begleiten. Wenn jemand es wünscht, kann auch ein Seelsorger oder eine Seelsorgerin beigezogen werden.

Das Bild der Sterbebegleiterin, welche das todbringende Medikament vorbeibringt und den Patienten menschlichen Beistand spendet, ist  verharmlosend. Sterben ist nun mal ein extrem persönlicher Prozess, welcher jeder Mensch selber durchmachen muss. Die Gesellschaft kann und soll unterstützend wirken, aber nicht gewaltsam eingreifen. Der Anfang und das Ende des Lebens ist nur bedingt "machbar", und soll auch so bleiben.

Wird Suizidbeihilfe in Kliniken und Spitälern erlaubt, oder gar als Recht eingefordert, sind sowohl Patientinnen und Patienten  als auch das Personal einem enormen Druck ausgesetzt. Das aktive Herbeiführen des Lebensendes wird salonfähig, kranke Menschen werden bald schon nur noch als Kostenfaktor angesehen. Das Personal muss selbstverständlich Beihilfe leisten – auch wenn jemand Vorbehalte gegenüber der Lösung "Freitod" hat. Das vielgepriesene Selbstbestimmungsrecht gilt dann vielleicht für die Patienten, nicht aber für das Pflegepersonal.

Zudem ist Leben aus theologisch-ethischer Sicht nicht einfach eine Ware, welche ich einkaufe und bei Nichtgebrauch wieder zurückgebe. Vielleicht sollten wir uns eher darum kümmern, uns mit dem lebenden – auch kranken - Menschen auseinanderzusetzen, anstatt darum, wie Menschen sich möglichst praktisch das Leben selber nehmen können.

Sterben müssen wir alle. Wie wir sterben, können wir jetzt schon zu einem guten Teil mitbestimmen. Dazu braucht es keine Suizidbeihilfe. Palliativmedizin und Palliative Care bieten dem leidenden Menschen auch in der letzten Phase seines Lebens eine menschenwürdige Hilfe und Begleitung.

Urs Länzlinger, Zürich

Urs Länzlinger ist Leiter der Spital- und Klinikseelsorge der katholischen Kirche im Kanton Zürich. Dieser Beitrag wurde im Namen der Fachkommission "Seelsorge in Palliative Care" verfasst.

www.spitalseelsorgezh.ch

www.palliativseelsorge.ch