Fragwürdige Befragung (SKZ)

Ist die Schweiz mehrheitlich für die aktive Sterbehilfe?

Was die jüngste schweizerische Umfrage zum Thema Sterbehilfe1 an Ergebnissen hervorgebracht hat, ist keineswegs neu und sollte eigentlich niemanden überraschen. Andere Erhebungen, die im In- und Ausland in den letzten Jahren durchgeführt wurden,2 spiegeln ein ähnliches Meinungsbild: Demzufolge zeigt eine Mehrheit der Befragten – auf mögliche medizinische Problematiken und Belastungen am Lebensende angesprochen – eine hohe Bereitschaft, die sogenannte aktive Sterbehilfe als allgemeine, auch gesetzlich akzeptierte Handlungsalternative in Erwägung zu ziehen. Gemeint ist nach klassischer Umschreibung die durch Mitleid motivierte direkte Tötung eines sterbenden Menschen auf dessen Verlangen hin. Diese Tötung wurde noch bis vor Kurzem kulturell wie moralisch einhellig geächtet und ist in den meisten Staaten bis heute mit gravierenden strafrechtlichen Sanktionen belegt. Allerdings geht es inzwischen um wesentlich mehr! Die Palette erwogener bzw. erwünschter Tötungshandlungen in diesem Bereich weitet sich nämlich deutlich und sukzessive aus. Auch das wird in solchen Befragungen regelmässig erhoben: Angesichts schwerwiegender Diagnosen und Krankheitsbilder, die das Leben im Alter – aber auch schon früher – prägen und plagen können, scheint man vermehrt bereit, an aktive Sterbehilfe beispielsweise für Schwerkranke, Demenz- und Komapatienten oder einfach lebensmüde Menschen zu denken.

Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ)