Initiative gefährdet Spitalseelsorge

Die Seelsorge in den Spitälern, Kliniken und Pflegeinstitutionen im Kanton Zürich bietet hohe Qualität. Folgender Beitrag zeigt auf, sich sie sich auszeichnet.

Die Kirchensteuerinitiative gefährdet die Angebote der Spitalseelsorge an 36 Spitälern und Psychiatrischen Kliniken im Kanton Zürich. Deshalb empfehlen die Spitalseelsorgerinnen und Spitalseelsorger ein NEIN zur Initiative und geben Einblick, zu was es Sorge zu tragen gilt.

Die Seelsorge in den Spitälern, Kliniken und Pflegeinstitutionen im Kanton Zürich bietet hohe Qualität.

Sie zeichnet sich aus in ihrer

  • Niederschwelligkeit: Seelsorgerinnen und Seelsorger sind vor Ort präsent. Sie nehmen sich Zeit für die Nöte und Sorgen von Patientinnen, Patienten sowie deren Angehörigen
  • Verfügbarkeit: 24 / 7 / 365, das bedeutet: rund um die Uhr, die ganze Woche, das ganze Jahre steht eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger auf Abruf bereit.
  • Geh-Hin-Struktur: Die Seelsorgerinnen und Seelsorger gehen auf die Patientinnen und Patienten zu. Sie bieten sich als Gegenüber, Gesprächspartner und aktiv Zuhörende an. Dies im Sinne von Jeremias Gotthelf, der geschrieben hat:„Es verliert die schwerste Bürde die Hälfte ihres Druckes, wenn man von ihr sprechen kann.“
  • Option für die Schwachen: Die Seelsorgerinnen und Seelsorger sind auch – und ganz besonders – für Patientinnen und Patienten da, bei denen Medizin und Therapie an der Grenze angekommen sind und nicht mehr helfen können. In dieser Situation geht es darum, miteinander auszuhalten. Hier knüpfen Seelsorgerinnen und Seelsorger ein Beziehungsnetz auch für die Menschen, deren Beziehungsnetz löchrig geworden ist.
  • Professionalität: Spitäler und Kliniken sind komplexe Organisationen. Seelsorge erfordert in diesem Umfeld eine spezifische Aus- und Weiterbildung. So vermittelt die Seelsorge in der Krankenhaus-Organisation Spiritualität, Religion, Fragen zu Leben, Leid und Sterben und die ethische Dimension von Krankheit und Gesundheit.
     

Spitalseelsorge

„Für eine lebendige und solidarische Kirche“: so lautet der programmatische Titel des Pastoralplans, nach dem sich die Katholische Kirche im Kanton Zürich orientiert. In diesem Pastoralplan werden Ziele aufgezeichnet, auf die sich die Katholische Kirche im Kanton Zürich verpflichtet und an denen sie ihr Engagement messen lässt.

Diakonie ist die Grundorientierung (S.7f):

„Das glaubwürdigste und allen Menschen verständlichste Zeugnis für die Frohbotschaft des Evangeliums und für das Nahen des Gottesreiches ist heute der Dienst am Mitmenschen, die Diakonie.“

Weiter wird die Diakonie als „Echtheitszeichen“ der Kirche postuliert: „Die christliche Hoffnung sieht sich von jenen am meisten herausgefordert, die ohne Hoffnung sind. Sie brauchen die Kirche als Raum der Hoffnung und als solidarisches Beziehungsnetz am dringendsten. Darum muss der helfende Einsatz für jedes beschädigte Leben das Merkmal und das Echtheitszeichen … sein. Dieses Engagement richtet sich nach Innen und nach Aussen, es gilt den Gemeindegliedern und jedem „Nächsten“; es äussert sich als persönliche Barmherzigkeit wie als gemeinsamer Einsatz für Gerechtigkeit und betrifft die leibliche wie die geistige Not. Und vor allem: es fordert konkrete Taten.“ (S.10)

Palliative Care

In vielen kirchlichen Arbeitsbereichen findet konkrete Diakonie ihren Ausdruck. Einer dieser Bereiche ist die Seelsorge in den Spitälern, Kliniken und Pflegeinstitutionen.

Je stärker sich die Gesellschaft und die Lebensentwürfe in ihr pluralisieren, desto stärker wächst der Bedarf an persönlicher Orientierung und Beratung. Ganz besonders ist dies der Fall in Zeiten von Lebenskrisen bei Unfall, schwerer Krankheit, grossen Operationen und im Lebensabschnitt vor dem Sterben.

All diese Strukturen sind seit vielen Jahren gewachsen und sorgfältig erarbeitet worden. Dazu gilt es Sorge zu tragen.

Die Seelsorge in Spitälern, Kliniken und Pflegeinstitutionen wird zu einem grossen Teil mit Kirchensteuergeldern der juristischen Personen finanziert.

Die Kirchensteuer-Initiative gefährdet in hohem Mass

  • ein solidarisches Beziehungsnetz, das die Kirchen bis anhin selbstverständlich zur Verfügung stellen und für das sich die Mitarbeitenden in der Seelsorge engagieren.
  • dieses Engagement der Kirchen in seinem Umfang, in seiner Qualität und letztlich als Ganzes.
     

Deshalb gibt es am 18. Mai nur eine Antwort auf diese Initiative: NEIN!


Spitalseelsorgerinnen und Spitalseelsorger Spitalseelsorgende

Für die katholischen Spital- und Klinikseelsorgenden:

  • Rolf Decrauzat, Spitalseelsorger in der Uniklinik Balgrist
  • Diakon Martin Paulus, Psychatrieseelsorger “intergrierte Psychiatrie Winterthur-Zürcher Unterland”
  • Tatjana Disteli, Leiterin katholische Spitalseelsorge im Stadtspital Triemli
  • Urs Länzlinger, Dienststellenleiter der katholischen Spital -und Klinikseelsorge im Kanton Zürich
     
Dieser Beitrag erschien zuerst auf zh.kath.ch/blog