Spitalseelsorge Weiterbildung

Heilsam umgehen mit sich und den Anderen.
 Spitalseelsorge Weiterbildung

Angeregter Austausch unter den Spitalseelsorgenden.

Rund 70 Spital- und Klinikseelsorgende haben sich Mitte März zu ihrer jährlichen Weiterbildungstagung getroffen. Thema der ökumenisch kantonalen Spitalseelsorgetagung war die Frage, wie Seelsorgende heilsam umgehen können mit sich selbst und auch mit anderen. Wie bleiben wir gesund in der Hektik unserer Zeit? Was zeichnet heilsame Spiritualität aus – bei den Menschen, denen man begegnet, genauso wie bei einem selbst?

In der Spitalkapelle des Seespitals Kilchberg, die als Raum der Stille, für Spitalgottesdienste und vom Spital auch als Mehrzweckraum genutzt wird, trafen sich die von den Kirchen beauftragte Seelsorgerinnen und Seelsorger, die in den Spitälern, psychiatrischen Kliniken, Pflegezentren und Altersheimen die Kranken und ihre Angehörigen religiös-spirituell betreuen. „Seelsorge heisst der Seele Sorge zu tragen“, sagte Ulrich Bosshard, Abteilungsleiter Seelsorge von der Reformierten Kirche in seinem Grusswort. „Das kann schon eine Geste oder ein Gesichtsausdruck sein.“ Synodalrat Rolf Bezjak betonte für die Katholische Kirche im Kanton Zürich die Bedeutung der Spitalseelsorge als "Geh-hin-Kirche" und dankte den Spitalseelsorgenden für ihren wichtigen Dienst, in dem sie als menschenfreundliche Gesichter der Kirche, die heilsamen Ressourcen des Glauben nicht aufdrängen, sondern sympathisch ins Spiel bringen - wenn und soweit gewünscht - mitten im modernen und auch oft hektischen Spital- und Psychiatriebetrieb. „Allerdings“, sagte er „auch Spitaleseelsorgende sind keine Engel,“ und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Mode-Krankheit Burn Out

Die biblische Geschichte von Elia begleitete die Teilnehmende durch den Tag: Der erste Referent der Tagung, Psychiater Dr. Christian Schäfer, ärztlicher Leiter der Psychiatrischen Klinik Langenthal, diagnostizierte bei Elia gar den „ersten Burn Out der Geschichte“, um darauf Zahlen und Erkenntnisse zur „Modediagnose“ Burn Out zu liefern, das er auch als mittelschwere, depressive Episode bezeichnete. In seiner Klinik werden der Glaube und die Spiritualität der Patientinnen und Patienten wenn gewünscht explizit mit einbezogen, es gibt eine Abteilung für Stressfolgeerkrankungen. Den Seelsorgenden hinterliess Dr. Schäfer eine provokante These: „Religiöse Menschen neigen eher zu Burn Out, weil sie sich zu viel aufladen. Ein Burnout entsteht von Innen und von Aussen.“ Gleich verbunden mit dem guten Rat, nach sich selbst zu schauen, ruhig einmal egozentrisch zu sein: Was tut mir gut? Was macht mich lebendiger? Welche Wege suche ich, um mit Stress umzugehen? Für manche ist das Holzhacken, für andere ein Schweigewochenende - oft schon helfen kleine Pausen im Alltag, sich Hilfe holen oder auch mal Nein zu sagen.

Spiritualität – ganz allgemein und in der Pflege

Grundsätzliche Gedenken zur christlichen Spiritualität und ihrer Heilsamkeit präsentierte Pfarrerin Anemone Eglin vom Institut Neumünster Zollikerberg: ein Leben in Beziehung mit Gott, mit sich selbst und mit anderen. In ihrem Referat arbeitete sie die Vorteile des Schweigens aus, des Innehaltens, der „Klausur von Augen, Ohren und Mund“ und gab auch unumwunden zu, dass sie an das Schweigen als Zugang zur eigenen Spiritualität stark glaube. Dass das für jeden Menschen funktioniere, der bereit sei, sich darauf einzulassen: „Die meisten Menschen hatten schon spirituelle Erfahrungen, besonderes tiefe Empfindungen, die sie vielleicht nicht so benennen würden – das weiss ich aus meiner Arbeit mit Pflegenden. Allerdings ist es nicht leicht, inne zu halten und zu fragen: Wie steht es um mich?“ Dieses Innehalten, Horchen und mit offenem Herzen auf andere zuzugehen, hilft auch Pflegenden mit den ihnen anvertrauten Menschen aufmerksamer umzugehen und sich zu fragen: Was gibt den anderen Geborgenheit oder Hoffnung?

Life-Balance statt Work-Life-Balance

An der Tagung  wurde auch auf die sogenannte Work-Life-Balance eingegangen. Die beiden Referenten bevorzugten den Begriff der Life-Balance. Der Grund: Auch Arbeit hat für die meisten Menschen einen hohen Nutzen, bringt grosse innere Befriedigung und äussere Bestätigung. Für eine Gesamtbalance im Leben sollte dennoch bewusst gesorgt werden. Eine heilsame Spiritualität kann dazu beitragen. Auf welche Art und Weise, muss aber jeder für sich selbst herausfinden. Fazit: Nur wer bei sich ist, kann auch auf andere ausstrahlen.

Das ökumenische Vorbereitungsteam der Tagung unter der Leitung von Urs Länzlinger, dem Leiter der katholischen Spital- und Klinikseelsorge,  verabschiedete die Teilnehmenden mit dem Wunsch, die Tagung möge noch lange heilsam nachwirken, mitten in die Hektik des Berufsalltages hinein.

Die Präsentationen der Tagung finden sich hier:

Heilsam umgehen mit sich und anderen

Dr. Christian Schäfer, SGM Klinik Langenthal

Heilsame Spiritualität

Anemone Eglin, Institut Neumünster Zollikerberg

www.spitalseelsorgezh.ch