"Spitalseelsorge im interreligiösen Kontext"

Religiös Entwurzelte, aber auch Angehörige von anderen Religionen, sind oft das Gegenüber der Seelsorgenden in Spitälern, Psychiatrischen Kliniken und Pflegezentren. Die diesjährige ökumenische Spitalseelsorgetagung vom 26. März 2015 in der EPI-Klinik setzte sich mit diesen Herausforderungen auseinander.

Seelsorge als Schlüsselfaktor für die hohe Akzeptanz des Gesundheitswesens im Kanton Zürich

Religiös Entwurzelte aber auch Angehörige von anderen Religionen sind oft das Gegenüber der Seelsorgenden in Spitälern,  Psychiatrischen Kliniken und Pflegezentren. Den Herausforderungen, die diese Veränderung der «Kundschaft» an die Seelsorgenden stellt, widmete sich die diesjährige ökumenische Spitalseelsorgetagung des Kantons Zürich am 26. März in Zürich.

Regierungsrat Thomas Heiniger wurde von Synodalrat Rolf Bezjak mit seinem eigenen Wahlkampfmotto begrüsst: Mit «Herzblut und Weitsicht» sind auch die Seelsorgenden in den Gesundheitseinrichtungen unterwegs. Sie widmen sich mit viel Leidenschaft ihrem Beruf und verschliessen sich nicht vor den Herausforderungen, die die gesellschaftlichen Veränderungen an die Seelsorge herantragen. Der Zürcher Gesundheitsdirektor würdigte in seinem Grusswort die Arbeit der Seelsorgenden und das Engagement der Kirchen durch ihre Präsenz in den Spitälern und Kliniken des Kantons. Mit ihrer täglichen Arbeit am Bett der Patientinnen und Patienten sei die Seelsorge «einer der Schlüsselfaktoren für die hohe Akzeptanz des Gesundheitswesens im Kanton Zürich».

Das Verständnis der kulturellen und religiösen Herkunft der Patientinnen und Patienten ist die wichtigste Voraussetzung für deren adäquate und ganzheitliche Behandlung. Die Islamwissenschaftlerin Rifa'at Lenzin beleuchtete in ihrem Referat die Situation der muslimischen Patientinnen und Patienten. Die kulturell bedingte Scham und Scheu erschwere es muslimischen Patienten, bei der Anamnese Auskunft über Krankheit und Familie zu geben. Sich von Pflegenden anderen Geschlechts betreuen zu lassen, koste viele Musliminnen grosse Überwindung. Krankheit ist nach islamischen Verständnis immer gottgegeben, nicht alle medizinisch-therapeutischen Massnahmen sind für Muslime zulässig. Aus all diesen Gründen forderte Lenzin den vermehrten Einbezug von muslimischen Geistlichen in die Seelsorge in den Gesundheitsinstitutionen.

Dialog und seelsorgliches Gespräch mit Anders- oder Nichtglaubenden stellt immer auch die Theologie der Seelsorgenden in Frage. Der Basler Systematiker Reinhold Bernhardt stellte in seinem Referat die aktuelle Diskussion der Theologie der Religionen als Denkmodelle zur Verfügung.

Seelsorgende können sich im Gespräch entweder auf den allgemeinen Gottesglauben beschränken, indem lediglich die Gemeinsamkeiten betont werden. Oder sie können durch Aneignung von viel Wissen über den Anderen sich die Kompetenz der religiösen Fremdsprachigkeit aneignen. Bernhardt plädierte jedoch für einen dritten Weg. Ohne «missionarischen Hausfriedensbruch» zu begehen, lädt er die Seelsorgenden ein, ihren christlichen Glauben als Deuteangebot und spirituelle Kraftquelle aus der unvertrauten religiösen Tradition dialogisch ins Gespräch zu bringen. Er plädierte für eine interreligiöse Offenheit bei gleichzeitiger Standortgebundenheit und verwies auf das Positionspapier «Wahrheit in Offenheit» des Schweiz. Evang. Kirchenbundes SEK, in welchem er diese Position aus der Mitte des trinitarischen Bekenntnisses herleitet. 

Am Nachmittag widmeten sich die Seelsorgenden der Verhältnisbestimmung von Seelsorge und Spiritual Care und der Positionierung der Seelsorge in den multiprofessionellen Bemühungen um das ganzheitliche Wohl der Patientinnen und Patienten. Regula Gasser, Projektleiterin von Palliative Care der Reformierten Landeskirche, stellte die Thesen ihrer Nationalfond-Studie zur Diskussion.

Grusswort von Regierungsrat Dr. Thomas Heiniger und Referate der Tagung können hier heruntergeladen werden:

 http://www.zh.ref.ch/handlungsfelder/ds/seelsorge-in-institutionen/materialien/referate/spitalseelsorgetagung-26.-maerz-2015

 

 

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