Medizin & Seele

Sterben

Die katholische Spitalseelsorge setzt sich ein für eine menschenwürdige Begleitung des leidenden Patienten in der letzten Lebensphase bis zu seinem natürlich Tod. Deswegen fördern wir die professionelle, ganzheitliche Forschung zur Palliative Care und setzen uns aufgrund unseres christlichen Auftrags für die Sterbebegleitung ein.

Argumente und Fakten

  • Das Leben bis zum natürlichen Tod kann eine tiefe menschliche und spirituelle Reifung mit sich bringen. Das Überschreiten von Grenzen bietet so die Chance zum persönlichen Wachstum in der letzten Phase des Lebens, im Sterben.
  • Das Alter darf nicht einfach als Kostenfaktor gesehen werden – es ist eine sinnvolle Lebensphase.
  • Ohnmacht, Leiden und Sterben sind schwere Erfahrungen, die aber unabdingbar zu unserer Existenz als Mensch und geschaffenes Wesen gehören.

Vom christlichen Glauben her betrachtet

  • Das Leben des Menschen ist von Gott geschenkt und unverfügbar.
  • Auch ein durch eine unheilbare Krankheit eingeschränktes Leben ist kostbar und wertvoll. Eine liebevolle und fachlich kompetente Begleitung des Menschen bis zu seinem natürlichen Tod ist ein Dienst am Nächsten.
  • Der Tod wird nicht als definitives Ende, sondern als Durchgang zu einer anderen Lebensexistenz verstanden.
  • Oft wünschen gerade Angehörige, die das Leiden und Sterben in seiner nicht selten sehr bedrückenden Endphase erlebt haben, für sich selbst die Möglichkeit eines vorzeitigen Endes. Seelsorgende leisten durch ihr schlichtes Dasein in Absprache und Zusammenarbeit mit allen spital- und heiminternen Diensten Hilfe, das auszuhalten, was kaum auszuhalten ist. 
  • Nach der päpstlichen Kongregation für die Glaubenslehre kann auf Heilversuche verzichtet werden, wenn diese nur eine schwache oder schmerzvolle Verlängerung des Lebens bewirken. Die Schmerzlinderung und Verbessserung der Lebensqualität stehen bis zum Tod im Vordergrund. 

 

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Pro Palliative Care …vom medizinischen Personal aus betrachtet

  • Die Tendenz, die Suizidbeihilfe immer mehr auszuweiten und zu legitimieren, drängt das medizinische Personal (Ärzte, Pflegende) in eine Rolle, die seinem Grundauftrag zuwiderläuft.
  • In einer Zeit, in der an die unbegrenzte medizinische Machbarkeit geglaubt wird, kann das schwindende Verständnis in der Bevölkerung für Alter, Leiden und Abhängigkeit als Folge einer schweren Erkrankung zu einem Druck führen, diese Lebensphasen schnellstmöglichst zu beenden.
  • Der Fortschritt der modernen Medizin hat dazu geführt, dass nicht mehr alles, was medizinisch machbar ist, auch dem Willen des Patienten oder der Patientin entspricht oder zur Erhöhung der Lebensqualität beiträgt. So kann eine komplexe medizinisch-therapeutische Massnahme zu einer menschlich unerträglichen Situation, zu unmenschlichen Leiden führen. Keine Behandlung muss gegen den Willen von Patienten und Patientinnen weitergeführt werden.

 

Pro Palliative Care …in Gesellschaft und Politik

  • Der Respekt vor Menschen im Alter, in Abhängigkeit, Krankheit und Pflegebedürftigkeit muss gefördert werden.
  • Die Forschungen und politischen Anstrengungen zur Suizidprävention und therapeutischen Intervention bei Altersdepressionen sollen verstärkt werden.
  • Die Bevölkerung muss noch besser über die Erkenntnisse von Palliative Care (Möglichkeit der Schmerztherapie, Symptomtherapie usw.) informiert werden.
  • Der Europarat schützt die Gewissensfreiheit. Er hat sich 2010 gegen ein allgemeines Recht auf Sterbehilfe ausgesprochen. Wer als Arzt oder Spital Sterbehilfe ablehnt, darf nicht unter Rechtfertigungsdruck geraten.