Medizin & Seele

Spiritual Care

Spiritualität gehört wesentlich zu einer ganzheitlichen Versorgung des kranken Menschen. Es wird empfohlen, dies auch bei der medizinischen und pflegerischen Behandlung zu berücksichtigen.

Bereits 2008 erarbeiteten Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen und Seelsorgen den sogenannten Bigorio-Grundlagentext.

Dort werden Empfehlungen zu Palliative Care und Spiritualität unter der Massgabe formuliert, dass Spiritualität wesentlich zu einer ganzheitlichen Versorgung des Patienten gehört und so jeder Pflegende in seiner Praxis auch diese Dimension zu berücksichtigen hat.

 Rahmenbedingungen "Spiritual Care"

  • Ruhe, Zeit oder separater Raum für Gespräch
  • Dasein, Zuhören, aufmerksam sein
  • den Gesprächspartner bedingungslos annehmen
  • das Gesagte wertfrei zur Kenntnis nehmen

 

Spiritual Care-Kompetenzskala

  • Team-Spirit
  • Wahrnehmungskompetenz
  • Gesprächsführungskompetenz
  • Selbsterfahrung, Dokumentationskompetenz
  • Wissen über andere Religionen, Empowerment-Kompetenz

Eine Erhebung des Bundesamtes für Statistik zur Sprache, Religion und Kultur 2014 stellte Fragen zur Spiritualität. Zum Beispiel: Glauben Sie an einen einzigen Gott? Glauben Sie an eine höhere Macht? Wie nehmen Sie an Gottesdiensten teil? Wie oft beten Sie? Wann brauchen sie Religion und/oder Spiritualität?

Die Forschungsergebnisse zeigten, dass Religion oder Spiritualität bei mehr als jeder zweiten Person (56 Prozent) eine eher wichtige oder sehr wichtige Rolle in schwierigen Momenten des Lebens spielt, bei 47 Prozent der Befragten auch im Falle einer Krankheit.

Fast die Hälfte der Befragten glaubt an einen einzigen Gott, ein Viertel an eine höhere Macht. Über 20 Prozent fühlen sich keiner Religion zugehörig, aber nur 12 Prozent bezeichnen sich als atheistisch.

Fazit: Religiöse uns spirituelle Glaubensformen und Praktiken bleiben erhalten und werden vielseitiger. 

Die Schweizer Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW), die World Health Organisation WHO und palliative.ch empfehlen daher, die spirituelle Dimension in der Behandlung jederzeit mit zu berücksichtigen.

Was ist eigentlich Spiritualität? 

Spiritualität ist die dynamische Dimension menschlichen Lebens, die sich darauf bezieht, wie Personen (individuell und in Gemeinschaft) Sinn, Bedeutung und Transzendenz erfahren, ausdrücken und/oder suchen, und wie sie in Verbindung stehen mit dem Moment, dem eigenen Selbst, mit Anderen/m, mit der Natur, mit dem Signifikanten und/oder dem Heiligen. (Arbeitsdefinition der European Association of Palliative Care EAPC)

 

Wirksamkeit von Spiritualität

Empirische Studien haben gezeigt, dass Menschen mit einer Haltung der Hoffnung und der Sinnhaftigkeit

  • resilienter sind
  • sich besser von Schicksalsschlägen und Krankheit erholen
  • besser in der Lage sind, nicht veränderbare Funktionseinschränkungen in ihr Leben und Selbstbild zu integrieren.

Fazit: Spiritualität wie auch Religiosität können Menschen in ihrer Resilienz fördern, also ihre Widerstandskraft in Krisen stärken. Zudem können sie helfen, sogenannte Coping- Strategien zu entwickeln. Religiöse Seelsorge begleitet auf der Suche nach einem sinnerfüllten Leben auch mit Einschränkungen, nach Hoffnung und Identität.